Palliativberatung Essen –
Erklärung wichtiger Begriffe

Aktive Sterbehilfe | Allgemeine Ambulante Palliativ Versorgung (AAPV) | Ambulantes Hospiz | Der Ambulante Palliativ Pflegedienst (APD) | Ärztlich assistierter Suizid | Behandlungspflege | Betreuungsverfügung | Die Ethische Fallbesprechung (EFB) | Gesundheitsvollmacht | Grundpflege | Indirekte Sterbehilfe | Klinisches Ethik-Komitee | Kurative Therapie | Multiprofessionelles Team | Palliativdienst im Krankenhaus | Passive Sterbehilfe | Patientenverfügung | Qualifizierter Palliativarzt (QPA) | Spezialisierte Ambulante PalliativVersorgung (SAPV) | Stationäres Hospiz | Vorsorgevollmacht |

 


Aktive Sterbehilfe

Tötung auf Verlangen ist in Deutschland strafbar. Unter aktiver Sterbehilfe versteht man das aktive Herbeiführen des Todes durch eine andere Person.


Allgemeine Ambulante Palliativ Versorgung (AAPV)

Freiwillige Leistung der Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen für Menschen mit einer rasch fortschreitenden und zum Tode führenden Erkrankung, die eine die Regelversorgung überschreitende palliative oder hospizliche Versorgung benötigen.

Träger der AAPV sind Ärzte, die an entsprechenden Verträgen teilnehmen sowie anerkannte Palliativpflegedienste (APD) und anerkannte Ambulante Hospizdienste.


Ambulantes Hospiz

Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten unter der Supervision von hauptamtlichen Koordinatoren schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen in vertrauter Umgebung in der letzten Lebensphase. Sie unterstützen auch in der Sterbephase und nach Eintritt des Todes bei der Trauerbewältigung.


Der Ambulante Palliativ Pflegedienst (APD)

bietet qualifizierte palliativ-pflegerische Behandlungspflege an. Grundvoraussetzung für die Teilnahme an den entsprechenden Rahmenverträgen sind eine 24-stündige Bereitschaft, eine Mindestzahl an ausgebildeten Fachkräften und eine vertragliche Kooperation mit einem anerkannten ambulanten Hospizdienst.

Ein ambulanter Palliativpflegedienst übt hauptsächlich Behandlungspflege aus.


Ärztlich assistierter Suizid

Die Beihilfe zum Suizid („assistierter Suizid”) ist nicht nach dem Strafgesetzbuch zu ahnden, da auch der Suizid(-versuch) keine Straftat darstellt. Unter Strafe gestellt werden soll nach den Beschlüssen des Bundestages vom 5.11.15 die „auf Wiederholung ausgerichtete, geschäftsmäßig betriebene Assistenz zum Suizid.

„Ärztinnen und Ärzte haben Sterbende unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen. Es ist ihnen verboten, Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen zu töten. Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.”
(§ 16  der Muster Berufsordnung der Deutschen Ärztekammer)


Behandlungspflege

Unabhängig von der Pflegestufe wird die Behandlungspflege vom Arzt verordnet. Seine Anordnungen werden durch die Pflege umgesetzt bzw. ausgeführt, um die geplante ärztliche Behandlung zu gewährleisten.

Die Behandlungspflege umfasst u. a. folgende Leistungen:

  • Injektionen
  • Medikamentenverabreichung
  • Katheterpflege
  • Wundversorgung
  • Enterale und- parenterale Ernährung
  • Stomapflege

Die Palliativpflege geht deutlich darüber hinaus.


Betreuungsverfügung

„Eine Betreuungsverfügung ist eine für das Vormundschaftsgericht bestimmte Willensäußerung einer Person für den Fall der Anordnung einer Betreuung. Ein solcher Fall liegt beispielsweise vor, wenn ein Patient infolge einer Krankheit seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst besorgen kann und deshalb ein Betreuer bestellt werden muss.”
(Bundesärztekammer).


Die Ethische Fallbesprechung (EFB)

ist ein strukturiertes und moderiertes, zeitlich begrenztes Gespräch, in dem eine konkrete (ethische) Fragestellung bzw. ein konkretes (ethisches) Dilemma bearbeitet wird: Die verschiedenen Perspektiven der Beteiligten werden zusammengetragen und auf die relevanten Werte hin analysiert. Das Ziel einer (ethischen) Fallbesprechung besteht darin, gemeinsam begründete Empfehlungen/ Maßnahmen abzugeben. Ziel ist es, in der konkreten Situation den für alle Beteiligten ethisch verantwortbaren Lösungsweg zu erarbeiten und eine entsprechende Empfehlung auszusprechen.


Gesundheitsvollmacht

Mit einer Gesundheitsvollmacht wird eine Person des Vertrauens beauftragt, den eigenen Willen gegenüber den Ärzten durchzusetzen. Sie ist gültig in Bezug auf gesundheitliche Fragen (Demenzratgeber.info). Es ist empfehlenswert, die Patientenverfügung mit dieser Person zu besprechen.


Grundpflege

Grundpflege steht den Patienten zu, die eine Pflegestufe erhalten haben. Ihr Umfang und ihr Inhalt richten sich nach der zuerkannten Pflegestufe. Ihre Kosten werden von der Pflegeversicherung getragen.

Die Hilfestellungen erfolgen in drei Bereichen:

  • Bereich der Körperpflege: Hilfe beim Waschen, Duschen, Baden, bei der Zahn und- Mundpflege,
    beim Kämmen, Rasieren sowie bei der Darm- und Blasenentleerung;

  • Bereich der Ernährung: Hilfe bei der mundgerechten Zubereitung und Nahrungsaufnahme;

  • Bereich Mobilität: Hilfe beim Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, Umlagern, An- und Auskleiden,
    Gehen, Stehen, Treppensteigen sowie Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung/Pflegeeinrichtung.

  • Die hauswirtschaftliche Versorgung und Hilfen bei der Durchführung ärztlicher Verordnungen
    (zum Beispiel: Versorgung mit Medikamenten) zählen nicht dazu“ (BMG 2015).


Indirekte Sterbehilfe

bedeutet die Inkaufnahme eines früheren Todeseintritts durch Palliativmaßnahmen bspw. durch die Gabe hochdosierter Schmerzmedikamente, weil die Linderung der Schmerzen oberste Priorität hat.  


Klinisches Ethik-Komitee

ist ein offizielle Einrichtung eines Krankenhauses (in Einzelfällen auch einer stationären Pflegeeinrichtung), die i.d.R. alle Berufs- und Hierarchiegruppen vertreten sind. Seine Zielsetzung ist es, Verantwortung, Selbstbestimmungsrecht, Vertrauen, Respekt, Rücksicht und Mitgefühl als moralische Werte die Entscheidungen und den Umgang mit Menschen (Patienten) in einem Krankenhaus zu prägen.


Kurative Therapie

Bei dieser Art der Therapie steht die Beseitigung der Erkrankung im Fokus der Behandlung. Das übergeordnete Ziel lautet demnach Heilung. Das Gegenteil ist palliativ.


Multiprofessionelles Team

Das Ziel der Palliativversorgung ist die Wiederherstellung oder der Erhalt der Lebensqualität. Hierzu bedarf es vieler verschiedener Fachleute, die in einem Team zusammenarbeiten und  gemeinsam das für den Patienten beste  und von ihm gewünschte Betreuungskonzept in sogenannten Fallkonferenzen entwickeln. Im Folgenden werden einige wichtige Berufe dargestellt. Hierzu gehören Logopäden, Ernährungsberater, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Seelsorger Sozialberater, Psychologen, Ehrenamtliche Ärzte, Pflegende und alle, die im Umfeld des Patienten tätig sind.

Ergänzende nützliche Techniken und Herangehensweise sind u. a. basale Stimulation, Armomatherapie Validation und naturheilkundliche Verfahren.


Palliativdienst im Krankenhaus

Ist eine neue Struktur in einem Krankenhaus. Das mindestens aus einer Palliativpflegekraft, einem Palliativarzt und einer dritten Berufsgruppe (z. b. Koordinator des Hospizdienstes) bestehende feste Team betreut Patienten mit palliativen und hospizlichen Bedarfen auf allen Stationen im Krankenhaus.


Passive Sterbehilfe

Entsprechend dem erklärten Willen des Patienten werden lebenserhaltende Maßnahmen erst gar nicht begonnen oder auch beendet. In Deutschland ist diese Art der Sterbehilfe nicht strafbar.


Patientenverfügung

„Hat ein einwilligungsfähiger Volljähriger für den Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustandes, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt, prüft der Betreuer oder Bevollmächtigte, ob diese Festlegungen auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutreffen.”
(Bundesärztekammer)

Mit der Patientenverfügung wird der eigene Wille bezüglich gewünschter oder unerwünschter medizinischer Behandlungsmaßnahmen festgehalten. Sie sollte mit einer Vorsorgevollmacht kombiniert werden, wobei die dort genannte Person über die Inhalte der Patientenverfügung informiert sein sollte. Der Vorsorgebevollmächtigte ist verpflichtet, den ihm bekannten Willen des Patienten gegenüber den Behandlern zur Kenntnis zu bringen
(BGB §1901a).


Qualifizierter Palliativarzt (QPA) (nur in NRW möglich)

ist ein Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, der an den Verträgen mit den Krankenkassen teilnimmt und eine 24-stündige Hinfahrbereitschaft für den Patienten sicher stellt. Der Hausarzt kann an den QPA überweisen.


Spezialisierte Ambulante PalliativVersorgung (SAPV)

Soll ein möglichst langes Verbleiben und auch Sterben in der häuslichen Umgebung auch bei schwierigen Erkrankungssituationen und hohem Betreuungsaufwand ermöglichen. Diese Versorgung kann von jedem Haus-, Fach- oder auch Notarzt und in Ausnahmefällen auch vom Krankenhaus verordnet werden (Formular 63). Der Rechtsanspruch hierauf gilt ausdrücklich auch für Bürger in Einrichtungen der stationären Alten- und Behindertenhilfe. Die Kosten für die Betreuung werden von den Krankenkassen getragen (bei Privatversicherten ist eine vorherige Rücksprache sinnvoll).

Merkmale

  • Nur Beschäftigung von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin,
    die überwiegend oder hauptamtlich in diesem Bereich tätig sind.

  • Nur Beschäftigung von Fachpflegepersonen mit Palliative Care Zertifikat
    und Erfahrung in diesem Bereich

  • Ärzte und Pflegende bilden zusammen das Palliative Care Team

  • Vertragliche Kooperation mit mindestens einem Ambulanten Hospizdienst sowie mit 
    speziellen Apotheken, Vernetzung mit Sanitätshäusern und Therapeuten

  • 24 Stunden Erreichbarkeit

  • Verpflichtend mindestens einmal pro Woche dokumentierte, multiprofessionelle Fallbesprechungen

  • Dokumentation entsprechend vorgegebenen Standards


Stationäres Hospiz

ist eine Einrichtung für Schwerstkranke und Sterbende, deren verbleibende Lebenszeit absehbar, ca. 3 bis 6 Monate, ist und die auch unter Ausschöpfung aller ambulanten Versorgungsmöglichkeiten nicht zu Hause betreut werden können und bei denen keine Krankenhausbehandlung notwendig ist.

Zur Aufnahme in ein stationäres Hospiz wird die Ärztliche Bescheinigung zur Feststellung der Notwendigkeit vollstationärer Hospizversorgung nach § 39a Abs. 1 SGB V benötigt, damit das Hospiz den entsprechenden Antrag zur Kostenübernahme an die Krankenkasse stellen kann (Antrag auf vollstationäre Hospiz- und Pflegeleistungen nach § 39 a Abs. 1 SGB V und § 43 SGB XI).
Die Verordnung und die entsprechende Antragsbewilligung gelten für zunächst 28 Tage und werden vor Ablauf dieser Frist ggf. verlängert, wenn die Voraussetzungen weiter gegeben sind.

Für Regelversicherte ist der Aufenthalt in einem stationären Hospiz kostenfrei. Privatversicherten wird empfohlen, eine Kostenzusage ihrer Kasse vor der Aufnahme im stationären Hospiz einzuholen, da nicht jede Versicherung die in Rechnung gestellten Kosten übernimmt.


Vorsorgevollmacht:

Eine Vorsorgevollmacht kann grundsätzlich verschiedene Bereiche umfassen:

  • Gesundheitssorge/ Pflegebedürftigkeit
  • Aufenthalt und Wohnungsangelegenheiten
  • Behörden
  • Vermögenssorge
  • Post und Fernmeldeverkehr
  • Vertretung vor Gericht
  • Untervollmacht
  • Betreuungsverfügung
  • Geltung über den Tod hinaus

 „Mit der Vorsorgevollmacht wird eine Vertrauensperson für den Fall der Geschäfts- und/oder Einwilligungsunfähigkeit des Vollmachtgebers für bestimmte Bereiche, z. B. für die gesundheitlichen Angelegenheiten, bevollmächtigt. Der Bevollmächtigte wird zum Vertreter des Willens. Er verschafft dem Willen des aktuell nicht mehr einwilligungsfähigen Vollmachtgebers Ausdruck und Geltung.” (Bundesärztekammer)



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